Mehr Kli­ma­re­si­li­enz in ma­la­wi­schen Ge­mein­den

Erfolgreiche Projektbilanz für die Grassroot-Initiative Youth for Sustainable Development

Das zweite Klimaresilienz-Projekt der malawisch-deutschen Jugendkooperation Youth for Sustainable Development in Malawi zeigt bereits tolle Ergebnisse: alle fünf Gemeinden konnten durch die Umsetzung von Trainingsinhalten ihren Lebensmittelanbau deutlich robuster gegenüber Extremwetterereignissen gestalten.

Ohne Mais keine Mahlzeit – Kein Mais mit Klimawandel

Malawi ist ein kleines Land in Südostafrika, der Klimawandel und sein Einfluss auf die Landwirtschaft ist hier schon stark zu spüren. Die Regenzeit wird kürzer, Beginn und Ende der Regenfälle werden immer unvorhersehbarer. Auch während der Regenzeit, zwischen Dezember und März, kommt es immer wieder zu längeren Trockenperioden, die das Überleben der Pflanzen stark gefährden.

Das Hauptnahrungsmittel der Malawier*innen ist – wie in vielen Ländern südlich der Sahara – ein Maisbrei, hier nsima genannt. Nsima gehört so stark zu jedem Essen dazu, dass öfter gesagt wird, dass man nichts gegessen habe, wenn auf dem Tellern nicht wenigstens auch eine kleine Portion nsima war. Das Hauptnahrungsmittel in Malawi ist somit Mais und macht daher auch den größten Teil der landwirtschaftlichen Produktion aus.

Die Gefährdung der Landwirtschaft durch den Klimawandel und die große Abhängigkeit vom Mais werden zusammen zu einem erheblichen Problem. Denn Mais ist von Natur aus nicht gut an lange Trockenperioden angepasst, er braucht je nach Sorte ca. 3 Monate bis zur Reife und in dieser Zeit eine ausreichende Wasserversorgung – nicht ideal für den Anbau im südlichen Afrika, wo durch die lange Trockenzeit nur eine Anbausaison möglich ist. Gleichzeitig ist es kulturell nicht möglich einfach so von heute auf morgen Mais als Grundnahrungsmittel zu ersetzen. Es müssen also Wege gefunden werden, die malawische Landwirtschaft, auch den Maisanbau, an die Unsicherheiten des Klimawandels anzupassen.

Die Arbeit von YSD: Aufbau von klimaresilienten Gemeinden

Dies ist das Ziel des Projekts, welches Youth for Sustainable Development derzeit in fünf, in der Region um Lilongwe – Malawi’s Hauptstadt – gelegen, Gemeinden durchführt.  Während Trainings und darauf folgenden Umsetzungsphasen werden ökologische Anpassungsstrategien an den Klimawandel entwickelt und erprobt, die die landwirtschaftliche Produktion stabilisieren sowie die allgemeine Lebensgrundlage in den Dörfern verbessern. Wesentlich ist hier, dass die Gemeinden so auch unabhängig und frei von großen Konzernen, von genetisch modifizierten Pflanzen und von schädlichen Pflanzenmitteln bleiben können.

Training 1: Ökologische Landwirtschaft

Zuerst stand das Thema „Ökologische Landwirtschaft“ im Mittelpunkt und die Teilnehmer*innen erlernten nachhaltiges Boden- und Wassermanagement. Es wurden Demonstrationsfelder in jeder Gemeinde angelegt, auf denen die neuen Methoden zunächst einmal ausprobiert werden konnten. Die Teilnehmer*innen legten erfolgreich Agroforstsysteme an, verwendeten Kompost und Tierdung zur Düngung und probierten neue Anbaumethoden aus. Danach war es nicht mehr schwierig für die Bauern, das Erlernte in ihre eigenen Gärten zu übernehmen.

Kompostherstellung in Msitu. Der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Frywell, sorgt für die Feuchtigkeit

Training 2: Umgang mit Dürren und Überflutungen

In Malawi beeinflusst der Klimawandel die Landwirtschaft vor allem in Form von Dürre und Überschwemmungen. Auch in diesem Jahr gab es im Februar 2019 eine längere Trockenperiode in der Projektregion in Zentral-Malawi. Im März zerstörten dann Starkregenfälle des ersten Ausläufers des Zyklon „Idai“ einige Ernten um Lilongwe. Zum Glück wurde die Projektregion vom Zyklon danach verschont, fatale Auswirkungen, die zahlreiche Menschenleben kosteten, gab es größtenteils im südlichen Teil des Landes. Dennoch wird deutlich, wie sehr kleinste Unstimmigkeiten des Klimas die Landwirtschaft gefährden.

Daher lag der Fokus des zweiten Trainings speziell auf der Entwicklung von Strategien zum Umgang mit Dürren und Überflutungen. Diverse Maßnahmen, die Ernteausfällen entgegen wirken können wurden vorgestellt und diskutiert. Einige Ergebnisse sind auf der Mindmap zusammengefasst. Auch entwickelten die Teilnehmenden einen konkreten Umsetzungsplan, zum Schutz gegen den Klimawandel. Um eine hohe Resilienz zu erreichen, sollte der Maßnahmenplan viele verschiedene Strategien beinhalten, um für jede Unsicherheit gewappnet zu sein.

Strategien für klimaresiliente Landwirtschaft Eigene Grafik

Trainings zeigen schnelle Verbesserungen in den Gemeinden

Während ihrer Unterstützungs-Besuche nach den Trainings konnte das Team von Youth for Sustainable Development gute Ergebnisse beobachten:

1) In Msitu wird nun Cassava, eine trockenresistente Pflanze angebaut, Kompost und Tierdung werden zur Düngung verwendet.

2) In Midland und Khondodwe werden die Felder nach der Methode des pit farming bestellt, sodass die Maispflanzen auch während der Trockenperiode im Vergleich zu den umliegenden Maispflanzen noch schön gesund und grün waren.

3) In Khododwe hat die Gemeinde Vetiver-Gras um ihre Felder gepflanzt und so die Bodenerosion während des Starkregens verhindert. (dazu gibt es jeweils Bilder in der Dropbox)

Insgesamt wurden pro Gemeinde etwa 50 Menschen, davon die Hälfte Frauen und ein großer Anteil junger Menschen in den Trainings von Youth for Sustainable Development in der klimaresilienten, ökologischen Landwirtschaft geschult. Die Auswirkung in der Praxis ist erfolgreich: Ein großer Teil der Teilnehmer setzt das Gelernte bereits aktiv um und immer mehr Bauern aus den Gemeinden interessieren sich für die neuen Ideen, die sich immer weiter verbreiten.