Rück­blick aufs FÖJ

Mein FÖJ 2018/19 in Lüneburg


Dieses Jahr war viel vielfältiger und prägender, als ich es erwartet hatte.

Bisweilen war es stressig, ich war gefordert, herausgefordert, aber nie überfordert. Das lag auch daran, dass wir Freiwilligen bei JANUN sehr gut unterstützt und begleitet worden sind.

Ich habe inspirierende Leute treffen dürfen, denen ich in meinem normalen Alltag nie begegnet wäre.

Sie berichteten vom Steinkohleabbau in Kolumbien, wie der Klimawandel Kleinbäuer*innen trifft, von radikal-liebevollem Aktivismus, einer mehrmonatigen Fahrradtour ganz ohne Geld, Permakultur,  Tierrechtsaktivismus und alternativen Wohnformen, um nur ein paar Sachen zu nennen, die mir in Erinnerung geblieben sind.

Ganz besonders viel gaben mir die 5 einwöchigen Seminare. Mit der Zeit wuchs die Gruppe immer mehr zusammen. Ich hatte viele tolle Gespräche und eine unvergessliche Zeit.

Beim ersten Seminar fuhren wir an die mecklenburgische Seenplatte nach Mirow (Ich bin noch nie so viel Bahn gefahren, wie in diesem Jahr). Dort zelteten wir und fuhren Kajak und Kanu. Das war eine körperlich anstrengende und intensive Zeit, aber mir hat dies so gut gefallen. Im Nachhinein kann ich mich eh immer viel besser an die positiven Momente erinnern. Ich habe so schöne, idyllische Natur gesehen, die Zeit auf dem Wasser war beruhigend und tat sehr gut. Beim Abschlussseminar im Ökodorf Sieben Linden haben wir das alternative Wohnkonzept eine ganze Woche lang miterleben dürfen. Ich wusste vorher nicht, dass ein unabhängiges Dorf gut funktionieren kann. Mein Misstrauen gegenüber den Komposttoiletten legte sich schnell, diese waren geruchsfrei und hygienisch. Mein Horrorszenario von einer Woche auf dem Dixiklo bestätigte sich also nicht.

Ich habe noch viele andere Highlights.

Ich habe einen Workshop an einer Schule gegeben, war bei zahlreichen Gruppentreffen, habe Stände betreut, Fortbildungen besucht, Strukturen von JANUN kennengelernt, unglaublich viele Emails geschrieben, Pressemitteilungen verfasst.

Und dann war ich eine Woche bei einer anderen FÖJ Einsatzstelle. Dort war ich in der Landwirtschaft. Morgens um halb sieben habe ich mit den betreuten Menschen die Kühe gemolken, sie den Tag über bei der Arbeit begleitet, bin Trecker gefahren, habe die Kälber gefüttert und einfach ganz viel gelernt. Gerade über den Umgang mit eingeschränkten Menschen. Diese Zeit war eine schöne Abwechslung zu dem sonstigen Büroalltag.

Und dann war ich ja auch noch Landessprecherin für das FÖJ Niedersachsen.Auch da habe ich ganz viel gelernt, gerade im Bereich Hierarchiestrukturen, Selbstorganisation, Gruppenarbeit, und Kommunikation.

Dort hatte ich das Privileg, die Interessen vieler FÖJler*innen aus Niedersachsen in Gremien wie der Bundesdelegiertenkonferenz zu vertreten. Ich habe viele andere FÖJler*innen kennengelernt. Die Gemeinschaft war sehr bestärkend. Es gab viele schöne Momente und ich habe mein Bestes gegeben, meine Verantwortung und Position gewissenhaft zu nutzen. In Niedersachsen haben wir Sprecher*innen am Anfang riesige Ziele gehabt, doch nach anfänglichen Träumen konnten wir gut mit der Realität umgehen. Auch wenn wir nicht alles umsetzen konnten, bin ich sehr zufrieden mit unserer Arbeit.

Nach diesem Jahr fühle ich mich bereit, in das Leben zu gehen, zu studieren und meinen Weg zu gehen. Ich muss nicht wissen, was alles auf mich zukommt, ich muss nicht  auf alles vorbereitet sein, ich muss einfach neugierig bleiben.