Zusammenarbeit mit muslimischen Vereinen/Verbänden

Gemeinsame Positionierung von JANUN und SJD-Die Falken

vom 14.04.2021

Positionierung von JANUN e.V. - Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen und SJD-Die Falken. Landesverband Niedersachsen zur Zusammenarbeit mit muslimischen Vereinen und Verbänden

Wir begreifen uns als politische Jugendverbände. Wir haben den Anspruch, sexistische, rassistische, antisemitische und heteronormative Verhältnisse und andere Diskriminierungsmechanismen zu überwinden. Grundsätzliches Ziel unserer Arbeit ist es, mit möglichst vielen Menschen und Gruppen zusammen zu arbeiten und Verbandsgrenzen zu überschreiten. Die Zusammenarbeit mit Organisationen/Gruppen, die unserem Anspruch entgegenstehen, wird allerdings abgelehnt.

Bei der zurückliegenden Vollversammlung wurde durch die Young Schura der Vorwurf geäußert, dass durch Anfragen zum Umgang mit nationalistischen, nationalislamischen und antisemitischen Gruppierungen eine Diffamierung und Kriminalisierung des Verbandes stattfinde. Mit diesen Anfragen würden muslimischen Jugendverbänden per se ein Problem mit Nationalismus und Antisemitismus unterstellt. Wir können dabei nachvollziehen, dass sich ein muslimischer Jugendverband vermehrt solchen Anfragen ausgesetzt sieht und es Leid ist, darauf antworten zu sollen. Uns ist aber auch wichtig, dass nationalistische und antisemitische Kräfte in unserer Gesellschaft nicht verharmlost werden und sich aktiv damit auseinandergesetzt wird. Deshalb darf die Anerkennung von antimuslimischen Rassismus als Problem nicht darauf hinauslaufen, dass muslimische Organisationen ohne jegliche inhaltliche Auseinandersetzung immunisiert werden. Kein Verband darf sich der Debatte über menschenverachtende und antidemokratischen Ideologien innerhalb der eigenen Strukturen entziehen. Eine Diffamierung inhaltlicher Kritik als antimuslimischen Rassismus wirkt sich daher als Unterstützung ebendieser Denkmuster aus.

Sowohl in Bezug auf die DITIB-Jugend als auch die Young Schura sind Anfragen dieser Art nicht pauschalisierende Ablehnungen muslimischer Jugendarbeit sondern auf Recherche und wissenschaftlichen Einschätzungen begründete Anliegen. Dabei ist es wichtig auch selbst zu reflektieren, ob hier andere Maßstäbe angesetzt werden als bei Zusammenarbeit mit anderen Strukturen. Wir müssen uns selbst fragen, ob wir uns auch weitere Expertise einholen, wenn es um die Kooperation mit anderen Verbänden geht. In der ehrenamtlich geprägten Jugendarbeit ist es schwer dies für die Vergangenheit immer klar zu bejahen, daher ist es umso wichtiger, dies zu reflektieren und ggf. bestehende Zusammenarbeiten dahingehend zu prüfen.

Auch das Verhältnis zwischen Jugendverbänden und ihrer Erwachsenenebene ist hier zu betrachten. Uns ist bewusst, dass Jugendverbände nicht die Möglichkeit haben, ihre Erwachsenenverbände zu steuern oder feste Strukturen ebendieser sofort zu verändern. Wir wünschen uns jedoch von unseren Kooperationspartner*innen eine intensive und kritische Auseinandersetzung mit (hoch-)problematischen Inhalten oder Gruppen innerhalb ihrer Strukturen, sowohl im Jugendbereich als auch im zuständigen Erwachsenenbereich. Diese Auseinandersetzung sollte auch für andere außenstehende Verbände spürbar sein.