Kann Bio die Welt er­näh­ren?

Landwirtschaft im globalen Kontext

Diese und weitere Fragen beschäftigten die Teilnehmer*innen des Seminars „Landwirtschaft im globalen Kontext“, welches vom 25. bis 27. Januar in Lüneburg stattfand. Zum Einstieg verschafften wir uns einen Überblick über die weltweite Verteilung von Ackerflächen und Weideland. Eine erste wichtige Erkenntnis: Europa verfügt über viele fruchtbare Böden. Würde die weltweit zur Verfügung stehende Ackerfläche gleichmäßig auf alle Menschen verteilt, so blieben für jede*n 2000 m². In Europa werden pro Person zusätzliche 700 m² importiert, die vor allem für den Anbau von Futtermitteln genutzt werden, denn für die Erzeugung einer Kalorie tierischen Eiweißes wird eine vielfache Menge dieser Energie als Futter benötigt. Der hohe Fleischkonsum in Europa ist also nicht nur ungesund, sondern führt auch dazu, dass Ackerland knapp wird. Bio kann deswegen die Welt nur dann ernähren, wenn der Konsum von Fleisch und Milch weltweit stark reduziert wird. Wir Teilnehmer*innen waren uns einig: Berücksichtigt man die Vorteile, die die ökologische Landwirtschaft für die Gesundheit der Ökosysteme und der Konsument*innen bereithält, dann brauchen wir diesen Wandel in der Landwirtschaft und in unseren Ernährungsgewohnheiten.

Einen Wandel brauchen wir auch in der Agrarpolitik und Entwicklungszusammenarbeit: Die Europäische Gemeinsame Agrarpolitik verteilt jährlich viele Milliarden an Landwirt*innen in Europa – je größer der Hof, desto größer auch die Förderung. Doch auch kleinere Höfe sind auf die Zahlungen angewiesen, dabei sagten uns ein Gärtner und eine Bäuerin auf dem Markt selbst, dass sie keine Subventionen, sondern gerechte Erzeugerpreise für ihre Äpfel und Karotten haben wollen. Auch in Ländern wie Tansania werden Kleinbäuer*innen bedroht, zum Beispiel durch Landgrabbing. Wir hörten die Stimmen von Menschen in von Landgrabbing betroffenen Dörfern – und auch, wie es ganz anders geht: die malawische Organisation YSD Malawi macht mit Kleinbäuer*innen Workshops zu ökologischer Landwirtschaft und Katastrophenmanagement, um sie in ihrem Wissen und Tun zu bestärken und eine umweltfreundliche, lebenssichernde Landwirtschaft zu fördern.

Wir konnten für viele Akteur*innen Handlungspunkte finden: sowohl wir als Individuen, als auch Politiker*innen, Landwirt*innen und als Zivilgesellschaft organisiert, haben viele Hebel und Möglichkeiten, eine nachhaltige und gerechte Landwirtschaft zu fördern. Nur für die großen Saatgut-, Pestizid- und Düngemittelkonzerne ist das schwieriger, denn ihr Geschäftsmodell basiert auf einer ausbeuterischen Landwirtschaft, die in den Händen von immer weniger Menschen und Firmen liegt.