Weih­nachts­baum­wahn­sinn

Die Nordmanntanne - Aus dem Kaukasus ins Wohnzimmer

Während der Feiertage verbringen wir endlich wieder Zeit mit unseren Liebsten. Dazu gehört für Viele das alljährliche Christbaumschmücken mit der ganzen Familie. Doch nach den Feiertagen wird der Tannenbaum dann schnell wieder entsorgt.

Aber habt ihr schon mal darüber nachgedacht, warum ein Weihnachtsbaum so erschwinglich und preiswert ist? Und welche Dimensionen das ganze Geschäft hat?


Zur Weihnachtszeit werden in Deutschland jährlich 28 Millionen Nordmanntannenbäume verkauft. Das ist eine Zahl, die man erstmal auf sich wirken lassen muss. Ein Großteil wächst auf riesigen Plantagen heran, zum Beispiel in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg.

Bis die Bäume schließlich für den Verkauf bereit sind, vergehen acht Jahre. Acht Jahre voller Dünger, Pflanzenschutzmittel und Ästestutzen. Damit die Nordmanntanne der Verkaufsnorm entspricht, braucht sie die vollen Äste und den idealen gleichförmigen Wuchs. Ein Schädlingsbefall käme diesem Erscheinungsbild natürlich in die Quere.

Für die Plantagenbesitzer*innen ist der Einsatz von Chemikalien sehr einfach und effektiv, aber dafür nehmen sie Einiges in Kauf.

Den Preis dafür muss die Umwelt zahlen. Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln stellt eine ungeheure Belastung für Boden, Gewässer, Tiere und vor allem für Insekten dar.

Aber nein, das bedeutet trotzdem nicht, dass von dem Tannenbaum im Wohnzimmer eine akute Gefahr für den Menschen ausgeht.


Jedoch ist ein Teil der Produktionskette der Nordmanntannen in der Tat gefährlich.

Es geht um den ersten Schritt, noch bevor die Pflanzen auf den Plantagen wachsen. Die Pflanzen erwachsen aus Samen, und diese stammen aus dem Kaukasus in Georgien.

Um an die Samen zu gelangen, müssen Saisonarbeiter*innen die Zapfen aus den Kronen der Tannen in 40m Höhe pflücken. Die Arbeit ist sehr gefährlich, vor allem, weil die Pflücker*innen ungesichert sind. Jedes Jahr stürzen Pflücker*innen in die Tiefe und verletzen sich schwer oder kommen sogar zu Tode.


So leicht bekommt das unschuldige Tannenbaumschmücken eine bittere Note und lässt nachdenklich werden.


Aber es gibt auch Alternativen zu dem konventionellen Tannenbaumgeschäft. Das Konzept „Fair Trees“ bietet Tannenbäume an, die unter fairen Bedingungen wachsen. Außerdem gibt es zertifizierte Biotannenbäume, bei denen der Produktionsweg durchschaubar ist. Außerdem kann man Tannenbäume von lokalen Gärtnereibetrieben kaufen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte keine Nordmanntanne kaufen, da die Samen alle aus dem Kaukasus stammen, und stattdessen die heimische Rotfichte nutzen. Außerdem kann es sich lohnen, bei Förstern in der Region nachzufragen, ob man einen Baum bekommen kann. Auch für den kleinen Geldbeutel ist das eine gute Alternative. Und natürlich muss es auch nicht der Weihnachtsbaum sein. Es kann auch viel Spaß machen, einfach mal die Zimmerpflanze zu dekorieren.

Sobald man anfängt, sich zu informieren und nach Alternativen zu suchen, ist auf jeden Fall der erste Schritt getan.


In diesem Sinne, ein besinnliches und schönes Weihnachtsfest euch allen!